[Project. 001] Soft Collision
@Swimming Pool Gallery | 2025 | Berlin, Germany
Artists : Rojo & Kress, Suyeont, Jieun Kim
Text : Nicola E. Petek





„Art is the concrete representation of our most subtle feelings.“
– Agnes Martin
Kunst öffnet einen Raum, in dem das Unsichtbare sichtbar wird. Auch wenn sich in dieser Ausstellung drei künstlerische Positionen begegnen, die auf ganz unterschiedliche Weise mit Form, Farbe und Materialität umgehen, finden sie dennoch eine gemeinsame Sprache: die der poetischen Konstruktion. Sie nähern sich dem Sichtbaren über das Spürbare. Dabei geht es weniger um Darstellung als um Annäherung an innere Landschaften, an emotionale Zustände, an das, was zwischen den Zeilen liegt.
Den Mittelpunkt bildet die skulpturale Arbeit des Künstlerduos Rojo & Kress, die zwischen bildhauerischer Collage, architektonischer Setzung und ornamentaler Form oszilliert. Sie wirkt wie ein Totem unserer Gegenwart – vielschichtig, hybrid, verwoben. Fragmente und Texturen aus unterschiedlichen Kontexten verschmelzen zu einer neuen Einheit und verweisen auf kulturelle Codes, Erinnerung und digitale Bildwelten. Das an der Wand platzierte Diptychon erweitert die Skulptur in die Fläche. Zwischen zweidimensionaler Illusion und greifbarer Realität entsteht ein schwebender Zwischenraum, in dem sich Wahrnehmung und Projektion überlagern.
Jieun Kims reduzierte Formen, intensive Farbfelder und klare Linien erinnern an typografische Fragmente oder visuelle Parabeln, ohne sich einer eindeutigen Lesart zu unterwerfen. Ihre Gemälde entfalten ein fein ausbalanciertes Spiel aus Rhythmus und Ruhe, Fläche und Raumtiefe. Die sachliche Klarheit erzeugt eine unmittelbare visuelle Präsenz, während die Kompositionen zur kontemplativen Betrachtung einladen – und in ihrer Einfachheit eine kraftvolle Sprache entwickeln.
Mit Buntstiften auf Millimeterpapier entwirft Suyeont fein strukturierte Kompositionen, in denen sich komplexe, vielschichtige Bildräume entfalten. Ihre Zeichnungen bewegen sich zwischen formaler Strenge und intuitiver Offenheit. Das Raster scheint als Ordnungssystem zu fungieren, wird jedoch immer wieder durch schwebende Elemente, sanfte Farbverläufe oder impulsive Linienführungen durchbrochen. Dadurch wird die Fläche belebt und geweitert. Es entstehen visuelle Szenerien, die zugleich spielerisch und meditativ wirken, jedoch präzise komponiert sind.
Gemeinsam eröffnen die Werke dieser Ausstellung neue Perspektiven auf das Zusammenspiel von Form, Farbe und Bedeutung. Sie treten in einen Dialog, der jenseits von Narration liegt und dennoch voller erzählerischer Kraft ist. Was sie verbindet, ist ihr feines Gespür für das Subtile: das Leise, Zarte, Vielschichtige, das sich nicht erklären lässt, sondern nur erleben. In Linie, Fläche und Geste verdichten sich Empfindungen zu Bildern, konkret, präzise und zugleich offen für das, was zwischen den Dingen liegt. Ganz im Sinne von Agnes Martins Worten sind sie sichtbare Spuren einer inneren Welt.
Text by Nicola E. Petek